Dammweg 41

Als im November 2005 die Nachbarliegenschaft Dammweg 41 zum Verkauf stand, wollten BewohnerInnen und Genossenschafterinnen des Q-Hofs die Gelegenheit ergreifen, ein weiteres Haus in der Lorraine der Spekulation zu entziehen und günstigen Wohn- und Gewerberaum zu erhalten. Der Vorstand wurde durch die GV ermächtigt, Kaufsverhandlungen zu führen. Dazu wurde eine Projektgruppe eingesetzt, an der sich neben interessierten GenossenschafterInnen auch Mitarbeiter der Varium AG und des Velokuriers beteiligten, deren Betriebe in der Liegenschaft eingemietet waren. Es lag nahe, die Stadt dazu zu bewegen, das Grundstück zu kaufen und der WBG Q-Hof im Baurecht abzugeben. Die Stadt zeigte sich interessiert, und auch dem Besitzer der Liegenschaft, Marcel Bieri, war daran gelegen, dass seine MieterInnen unter guten Bedingungen weiterhin in dem Haus bleiben konnten. Marcel Bieri hat übrigens einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass der Q-Hof überhaupt noch existiert: In den Achtzigerjahren hatte er entscheidend dazu beigetragen, den Abriss des Q-Hofs zu verhindern, indem er sich standhaft geweigert hatte, sein Haus zu verkaufen und einer Überbauung zu opfern.

Im Frühling 2006 kam der Kauf des Hauses zustande, ebenso ein Baurechtsvertrag mit der Stadt über 70 Jahre. Projektgruppen, in denen neben MieterInnen des Hauses sowie internen und externen GenossenschafterInnen des Q-Hofs auch BewohnerInnen der WBG Giebel (Dammweg 43) mitarbeiteten, bereiteten die nötigen Beschlüsse zur Einbettung des Hauses in die Strukturen des Q-Hofs und für die baulichen Sofortmassnahmen zuhanden des Vorstands und der Generalversammlungen vor.

Auf zu neuen Abenteuern

Mit jenen WohnungsmieterInnen, die nicht in die WBG eintreten wollten, konnten Vereinbarungen zur Auflösung ihrer Mietverhältnisse spätestens im Laufe des Jahres 2007 abgeschlossen werden. Der frühere Besitzer nutzte vor seinem Umzug in die Agglomeration das Erdgeschoss der Liegenschaft mit seiner Cartonnagefabrik ebenfalls noch ein Jahr lang weiter. Seine Ràumlichkeiten wurden für einen zunächst befristeten Zeitraum von 3 Jahren an die QFaktur vergeben, einen Verein, in dem sich verschiedenste Projekte, KleinhandwerkerInnen und Einzelbetriebe zusammengeschlossen hatten, unter anderem ein kleiner Verlag, ein Zeitungsprojekt, mehrere Nähateliers, eine Schreibstube, IllustratorInnen und GrafikerInnen oder die YB-Fanarbeit.

Der Verein Q-Faktur mietete den Raum im Rohbau, vorher wurden durch die WBG einige bauliche Veränderungen und Verbesserungen vorgenommen, unter anderem wurden alle Fenster ersetzt. Auch bei den Wohnungen wurden nach dem Auszug von zwei der drei ‚alten’ MieterInnnen einige Renovationen fällig. An einem besonders kalten Novembertag stieg zudem die alte, nicht mehr den Anforderungen des Umweltschutzes entsprechende Ölheizung definitiv aus! Eine günstige Occasion-Heizung öffnete ein Zeitfenster von einem Jahrzehnt für vertiefte Abklärungen über ein neues Heizsystem mit erneuerbaren Energien. Heute, im Sommer 2012, steht ein Projekt für ein Solarstromproduktion kurz vor der Umsetzung, und auch eine Warmwasseraufbereitung mit Sonnenkollektoren kommt langsam in die Konkretisierungsphase.

Die Investitionen in den Dammweg 41, darunter auch umfangreiche Kanalisationsarbeiten und dringende und gewünschte Bau- und Unterhaltsarbeiten wie Isolierungen strapazierten anfänglich das Budget. Das Ziel, den Raum zwischen Q-Hof und Dammweg 41 verkehrsfrei zu gestalten, bedingte Rochaden und Investitionen für die Gewerberäume von Velokurier und Varium im UG. Auf der Nordseite wurde der beheizbare Schopf abgebrochen und durch einen unbeheizten Anbau ersetzt. Aus den zwei Garagen südseitig wurden zwei Ateliers gebaut. Das eine war für das Jongleur-Duo Flügzüg vorgesehen, diese hatten aber mittlerweile mehr Raumbedarf und kündeten ihr Atelier noch vor Einzug auf. Nun wird dort geschneider, gezeichnet und fotografiert. Die langfristige Finanzplanung zeigte, dass die ursprünglich prognostizierte Mietzinserhöhung von 5% nicht ausreichten würde, sodass per Frühling 2009 eine Mieterhöhung von 8 % nötig wurde.

Die Umbauarbeiten waren von einer Planungsgruppe aus GenossenschafterInnen, MietreInnen und dem Umterhaltsarchitekten Viktor Hirsig begleitet worden. Nach Bauabschluss wurden die Strukturen überarbeitet. Ende 2009 wurde an der GV neu eine «Kerngruppe Dammweg 41» beschlossen sowie eine neu zu gründende AG «Visionen». Diese machte sich eine Weile lang Gedanken über den Ausbau des Dachstocks und andere Zukunftsprojekte ist aber inzwischen wieder auf Eis gelegt. In der Kerngruppe sind die drei Wohnungen, Varium, QFaktur, Velokurier, die zwei Ateliers und der Vorstand der WBG vertreten. Nachdem sich die MieterInnen entschieden hatten, keine eigene selbstverwaltete Genossenschaft zu gründen, liegt die Gesamtverantwortung, für Finanzierung und Verwaltung nach wie vor bei der WBG Q-Hof. Die Kerngruppe D41 trifft sich in regelmässigen Abständen um anstehende Probleme/Fragen etc. zu besprechen. An vier Aktionstagen im Jahr kümmern sich die MieterInnen gemeinsam mit der WBG Giebel um die Umgebung und den Unterhalt.

Nach wie vor schlummert ein grosses Potenzial für ein unkonventionelles Wohnprojekt im grossen, noch weitgehend ungenutzten Dachstock des Gebäudes. Findet sich bald eine interessierte und engagierte Gruppe?